Dreißig Jahre später (traduction)

Et voilà, le tout premier article traduit grâce au super membre de la petite équipe de CCPH : Charlotte ! « Trente ans après » (publié en juillet 2017), qui raconte le procès du nazi Klaus Barbie à Lyon, en allemand.

6. Juli 2017

Vor dreißig Jahren wurde Lyon mit Überlebenden, Journalisten, Neugierigen besiedelt. Plötzlich tauchte man wieder in dieser dunklen Zeit der deutschen Besatzung Frankreichs ein.

Vor dreißig Jahren erschien ein schwächlich und harmlos aussehender Greis (wenn er nur harmlos gewesen wäre…) vor Gericht, vor einem Hauch Anwälte, vor Richtern in rotem Gewandt, vor der ernsten und schweigenden Menge, vor Kameras der ganzen Welt.

Vor dreißig Jahren wurde Klaus Barbie, der bekannte Nazikriminell, in Frankreich beurteilt. Nach einem zwei monatigen Prozess wurde er, in der Nacht des 3. Bis 4. Juli 1987, zum lebenslangen Haft verurteilt, und als Verbrecher gegen die Menschlichkeit anerkannt.

Die Ankündigung hatte den Effekt eines Donnerschlages in einen blauen Sommerhimmel, denn die Erinnerungspolitik wurde in letzter Zeit durch den Tod von Simon Veil schon etwas erschüttert. Die Rechtsministerin, Nicole Belloubet, und die Ministerin der Kultur, Françoise Nyssen, haben die Veröffentlichung der Prozessarchiven angekündigt.

Es ist also höchste Zeit, uns mit der Aktualität zu beschäftigen, und die ganze Geschichte zu rekapitulieren!

Ein vorbildlicher SS-Offizier

Man hatte ihn etwas vergessen, Klaus Barbie. Der, den man « der Schlachter von Lyon » nannte, könnte aber einen mit Gräueltaten gefüllten Lebenslauf vorzeigen. Er war sehr früh in die SS eingetreten, und stieg Dank seinem « Eifer im Horror » auf der Karriereleiter hoch. Als er 1940 in Holland versetzt wurde, brachte er sich intensiv ein, Razzien in der jüdischen Gemeinschaft und unter den Freimaurern zu organisieren: er ist unter anderem für die Vernichtung des Amsterdamers Gettos verantwortlich.

Später zum Leutnant befördert, wurde er an die russische Front versetzt, aber vor allem (Das interessiert uns hier ganz besonders!) nach Frankreich.

Frankreich wurde zum Spielfeld dieses kleinlichen Monsters, der sich im Horror entfaltete. Im Laufe der Jahre 1942-1944, tritt er durch seine Gräueltaten als Chef der Gestapo von Lyon in die lange Liste der « trashsten » Kriegsverbrecher der Besatzungszeit ein.

Er wird Experte im Folter, hauptsächlich der Widerstandskämpfer, die das Unglück hatten ihm in die Finger zu geraten. Wie ein bestimmter Jean Moulin, der in einem so schrecklichen Zustand aus Barbies Büro entlassen wurde, dass damalige Zeugen später erzählten, ihn im Flur des Gefängnisses nicht wieder erkannt zu haben.

In diesem neuen Europa, dieser « neuen Welt » von der Hitler und seine Clique träumten, ist kein Platz für die Juden. Und aus diesem Grund sollen sie für immer verschwinden. Klaus Barbie bemüht sich, sie einem sicheren Tode zu überweisen. So ist er unter anderem für die Razzia der fast 90 Juden der « union générale des israélites de France » und, Höhepunkt des Horrors (kann man von Höhepunkt überhaupt sprechen?), für die Deportierung der 44 jüdischen Kinder aus Izieu verantwortlich. Diese beendeten ihr kurzes Leben unter dem grauen Himmel von Auschwitz. Glücklich sind Sie, wenn Sie die das Izieu-Drama nicht kennen! Googlen Sie mal. Manche Geschichten sind so traurig, dass Archibald sich verbietet sie zu schreiben.

Und danach?

Als Frankreich 1944 befreit wurde, schaffte es Barbie, Deutschland zu erreichen, und dort bis Kriegsende zu bleiben. Weil die Alliierten nach ihm fahnden, versteckte er sich, gründete sein Netz ehemaliger Nazis. Seine Erfahrung in der Verfolgung der französischen Kommunisten während dem Krieg diente dann dem amerikanischen Geheimdienst. Anders gesagt, traurige Ironie: Barbie, ausgezeichneter Nazi, verdankt den Siegern des zweiten Weltkrieges, denen die das dritte Reich umwarfen, seine Freiheit.

In den frühen Fünfzigern wird er nach Argentinien zurückgeschleust. Südamerika ist in dieser Zeit mit zahlreichen ehemaligen Nazis besiedelt, die die europäischen Ermittlungen oder sogar Todesurteile fliehen.

Unter ihnen: Adolf Eichmann, Mengele (der Todesengel aus Auschwitz) und viele andere, deren Vergangenheit gefüllt mit etlichen Gräueltaten ist. Geschützt durch südamerikanische Diktatoren, weil sie ihnen ihre Dienste anbieten, verbringen diese unbestraften Henker mehr oder weniger ruhige Tage auf der südlichen Seite des Äquators.

Barbie verlässt Argentinien, zieht nach Bolivien, nennt sich zu Klaus Altmann um, und erhält die bolivianische Nationalität.

Er wird zum erfolgreichen Konzernleiter, und nebenbei zum Experten für Folter und andere Grausamkeiten beim bolivianischen Diktator, mischt sich in die lokale Bevölkerung ein.

Und hier tritt ein außergewöhnliches Ehepaar ein: Die Klarsfelds (Lesen Sie unbedingt ihre Memoiren!!)

Ein außergewöhnlicher Prozess

« Nazijäger » ist ein Begriff, den ich nur mittelmäßig schätze. Durch ihn geht die Größe und der Mut dieser Soldaten der Erinnerung verloren. Beate und Serge Klarsfeld sind solche Soldaten der Erinnerung. Für ihren Kampf um Gerechtigkeit überquerten sie mehrmals den Atlantik auf der Suche nach den größten Kriegsverbrechern der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, wurden zu Privatdetektiven, wurden Opfer mehrerer Mordversuche, wagten es sogar (Beate) den Kanzler Kissinger zu ohrfeigen weil er anerkannter ehemaliger Mitglied der NSDAP war, verbrachten mehrere Monate in Haft.

Nach einer langen Verfolgung quer durch Südamerika schaffen es die Klarsfelds, Klaus Altmann (alias Klaus Barbie) verhaften zu lassen und ihn nach Frankreich zurück zu schleusen. Sein Ausbruch hatte vierzig Jahre gedauert. Vierzig Jahre zu lang, müsste man klarstellen.

In Mai 1987 wird der lang erwartete Prozess eröffnet.

Er ist, für Frankreich, das Symbol eines « Post world war II » Prozesses. Man steht mit dem Gesicht zu dieser verkannten Vergangenheit, die seit 1945 verdrängt wurde. In einem Land in Trümmern, erschüttert durch die Heimkehr der Kriegsgefangenen und Deportierten, zerstört durch die Kämpfe, aufgezehrt von niederträchtigen persönlichen Geschichten verleugnete man die Erinnerungen um neu aufzubauen.

Die Deportierten, sowohl die politischen als auch die Opfer der rassistischen NS-Politik, irrten in einem Nachkriegsfrankreich um, das vor allem ein neues Kapitel ihrer Geschichte aufschlagen wollte.

Diese schwachen Irrenden mussten sich mit eigenen Kräften ein neues Leben schaffen. Viele verheimlichten, was sie erlebt hatten, überdrüssig der Gleichgültigkeit von denen, die nicht mehr von dunklen und schmachvollen Ereignissen hören wollten, oder vielleicht auch wegen den Mitleid gefüllten Blicken ihrer Verwandter.

Man schlug also einen neuen Kapitel auf. Man verehrte ein widerstehendes Frankreich, obwohl Frankreich nicht so sehr widerstanden hatte. Oder zumindest nicht, in dem post-1945 offiziell berichteten Maße.

Im Namen der Einheit fegte man die Henker und Opfer weg. Die Nazis waren aus Europa geflohen, die berühmtesten wurden in Nürnberg hingerichtet, die Welt versuchte, sich wieder im Kreis zu drehen, es war schon die Rede eines neuen Krieges, diesmal wohl ein kalter. Die Geschichte läuft in Riesenschritten voran.

Aber Ende der Achtziger Jahre hat sich der Kontext geändert: Man spürt, voll Ungeduld und Beunruhigung, wie das Ende des kalten Krieges sich nähert. Eines Tages wird diese Mauer, die Europa in zwei teilt, diese Mauer, die so viele Leben trennt und ihren Schatten über den Osten des Kontinents dehnt, vielleicht fallen. Man lebt, man ist Teil der neuen Geschichte, und doch muss man sich mit einer älteren Geschichte beschäftigen. Der zweite Weltkrieg.

Mehr als hundert Opfer der unbeschreiblichen Gewalt von Klaus Barbie treten in den Zeugenstand. Manche zeugen erstmalig vor der Öffentlichkeit, andere brechen ein vierzig Jahre altes Schweigen durch.

Es gab Tränen, Schreie, einigen wurde der Atem vor Entsetzen verschlagen. Frankreich entdeckt, erschüttert, die Tiefe dieser Unmenschlichkeit.

Und was mit Klaus Barbie? Sein Schweigen ist eloquent, sein Lächeln, wie abwesend, irritiert, entsetzt. Er scheint nichts zu bereuen, zuckt mit den Schultern, erklärt « es herrschte Krieg, er hat daran teilgenommen, gehorcht »

Aber, kann man durch Gehorsamkeit foltern? Der Eichmannprozess in Jerusalem, der schon ein paar Jahre zurückliegt, taucht in den Erinnerungen wieder auf. Frankreich schlägt mit dem neuen, noch unklaren Konzept des « Verbrechen gegen die Menschlichkeit » um sich. Klaus Barbie, seinerseits, betrachtet die Menge, die Anwälte und das etwas schwülstige Etikett in der Wandelhalle des Lyoner Justizgebäudes, von oben.

Drei Tage nach dem Anfang des Prozesses spielt er den Beleidigten, die aufgescheuchte Jungfrau. Er ist bolivianischer Staatsbürger, ist Opfer einer Entführung, befindet sich also illegal in Frankreich; er will in seine Gefängniszelle bleiben und nicht mehr vor Gericht erscheinen. Er steht auf, reicht seine Hände für die Handschellen. In seinem schwarzen Anzug sieht er lächerlich, harmlos aus. Das ist auch das dramatische an diesen späten Prozessen ehemaliger blutrünstigen Nazis. Der Monster ist zum apathischen und lächelnden Greis geworden. Dennoch ist Barbie völlig gesund, sowohl psychisch als auch körperlich. Eine Ungerechtigkeit mehr für die Überlebenden, und für die Familien der für immer verschwundenen Opfer.

Am dritten Juli 1987 wird Klaus Barbie auf 17 Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen. Die im Tribunal versammelte Menge spendet tosenden Beifall und der Richter muss seine Stimme heben, droht den Saal Zwangs zu räumen. Fast wie in einem Film, bloß es ist kein Film.

Klaus Barbie, 73 Jahre alt während dem Prozess, beendet sein Leben im Gefängnis, vier Jahre später. Geringe Tröstung für die Überlebenden. Der ehemalige Chef der Gestapo von Lyon war der erste, der in Frankreich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurde. Eine erstmaliges Ereignis. Das ganze wurde von Anfang an verfilmt (auch hier ein erstmaliges Ereignis), der Prozess ist ad acta gelegt, in den juristischen Archiven gespeichert.

Heute, dreißig Jahre nach diesem herausragenden Ereignis, haben die Ministerien für Recht und Kultur entschieden: Die Archiven werden für jeden, der es möchte, zugänglich sein. Die, die darum bitten, können sich nun die Videos, die Akten und die Zeugenaussagen anschauen. Warum? Mit welchem Ziel, Können sich einige fragen.

Die Regierung bringt den Kampf gegen die Vergessenheit und gegen den Revisionismus vor.

Aber die Frage besteht: Kann man diesen Kampf gewinnen, indem man Archiven zugänglich macht, die sich nur einige Neugierige und Spezialisten anschauen werden? Denn schließlich ist die heutige Gefahr vielleicht nicht mehr das Vergessen, sondern die Gewohnheit. Nicht mehr der Revisionismus, sondern der Relativismus. Vielleicht ist die heutige Gefahr, zu denken: es gab andere Massaker, andere Völkermorde, die Nazis waren nur Henker unter den Henkern, es gab andere und es wird noch andere geben. Und das ist gefährlich.

Denn: Wir müssen auf die Erinnerung stolpern, aber uns mit Intelligenz erinnern.

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