Ostern 1916, Dublin

Natürlich sollte dieser Artikel eigentlich am 24. April erscheinen. Aber zum Glück, und Sie werden verstehen warum, kann man ihn bis zum 29. Mai lesen. Archi und ich sind nicht verspätet!

Am 24. April 1916 geriet Dublin in Aufruhr. Fünf Tage lang versuchten ein Paar tausend Aufständische ihr Glück, und rufen mit Majestät (aber um sonst) eine kurzlebige Irische Republik auf.

Easter rising

Es ist immer heikel über Irland zu schreiben. Vielleicht weil seine Geschichte, voller Gewalt und übersteigerter Leidenschaft, nicht sehr weit in unseren Gedächtnissen zurückliegt. Vor knapp 20 Jahren sprangen die terroristischen IRA-Anschläge in der Abendschau in unsere Wohnungen ein. Es geht darum, langsam in eine Geschichte einzutauchen, die aus Zivilkrieg, Streiken, Hungerstreiken, und Toten besteht.

Der 24. April 1916 steht ganz oben in das Irische Epos. Aber, what happened..?

Um es kurz zu halten, hat die « Smaragd-Insel » die plötzliche englische Vormacht nie richtig angenommen. Sie, die es schaffte sich vor den Invasionen der Wikinger aus dem fernen Norden (Hallo Frédéric!) zu schützen, und der Römischen Eroberung widerstanden, musste der Britischen Bürokratie nachgeben, die sich ihre Nachbarinsel mithilfe von Gesetzen und andere « Parliament acts » aneignete.

Der irische XIX. Jahrhundert ist gefüllt mit Aufständen gegen die englische Vormacht, und vor allem mit Opfern der Hungersnot und der Armut. Einige sprechen von Opferzahlen über eine Millionen- das doppelte verlässt Irland für einen amerikanischen oder Australischen Exil. Diese extreme Armut der irischen Bevölkerung verstärkt die anti-britische Tendenz, die schon sehr präsent war.

Nach und nach strukturiert sich der Widerstand gegen England. Milizen und heimliche (oder auch nicht) Gruppierungen werden gegründet. Das Ziel? Irland zum Aufstand zu bringen, und die Unabhängigkeit aufrufen. 1873 bringt eine Gruppe irischer Parlamentsabgeordneter den « Home Rule » ein, mit dem Ziel eine innerstaatliche Autonomie zu erhalten (aber keine Unabhängigkeit!). Drei mal eingebracht, und drei mal abgestoßen wird der «Home Rule » zu einer irischen Obsession.

1931 werden Milizen gegründet; Eine unterstützt die Vereinigung mit Großbritannien, die andere ist heftig gegen eine Abhängigkeit von England entschieden. Es ist der Anfang einer langen Opposition zwischen den beiden internen irischen Milizen, die den ganzen XX. Jahrhundert gegeneinander kämpfen werden, und immer noch Feinde sind (aber niemanden mehr umbringen, Halleluja!!)

Wir sind 1914. Die « Home Rule » ist auf dem besten Weg, akzeptiert zu werden. Am 28. Juni wird ein gewisser Franz-Ferdinand in Sarajevo ermordet. Der Hass und die Spannung eskalieren. Man redet über einen möglichen Krieg. Für die irischen Separatisten geht sie dieser europäische (bald weltweiter) Konflikt nicht an. Was sie wollen, ist die Unabhängigkeit. Die Verhandlungen um die Durchsetzung des Home Rule werden in Klammern gesetzt- London hat wichtigeres um die Ohren (um es kurz zusammen zu fassen). Dafür ist Irland aber immer noch britisch. Oder fast. Naja, kurz: Irland ist nicht irisch. Es gibt keine Republik. Die Leiter der großen Revolutionären Organisationen schlachten sich wegen dem Krieg gegenseitig ab.

Soll man, oder soll man nicht auf französischem, belgischem und andere Territorien an der Seite der britischen und Commonwealth Truppen kämpfen? Achtung, seien wir einverstanden, brüllen einige: Irland ist nicht mit dem Commonwealth-Australien vergleichbar, dessen Soldaten am anderen Ende der Welt, tausende Kilometer weg von ihrer Heimat verstorben sind, und das alles im Namen eines Königs, eines Einverständnisses, einer Geschichte und eines Reiches wovon Irland nicht Teil sein möchte (Zumindest nicht die Mehrheit der Iren).

Der erste Weltkrieg hat das ganze also nur komplizierter gemacht. Letztendlich, vielleicht durch dieser populäre Jubel der in Europa im August 1914 herrschte getrieben, wählten die Separatisten und Revolutionären die Teilnahme am Krieg. Es starben also irische Bürger auf der anderen Seite Englands und des Ärmelkanals. Die Geschichte (und das ist ungerecht) hat sie zu lange vergessen. Weil der Aufstand von Ostern 1916 und die Nordirischen Unruhen sie in den Hintergrund der Geschichte gedrängt haben, wurden die jungen Helden von 1914-1918 vergessen.

1914 versucht die Irish Republican Brotherhood (IRB) ihre Teilnahme am Krieg an der Seite Großbritanniens im Tausch gegen die Validation des Home Rules zu verhandeln. Vergeblich. Während ein paar tausend Irische an die Front geschickt werden, versuchen die heimlichen Separatistischen Organisationen einen generalisierten Aufstand zu organisieren. Schließlich ist England durch diesen ersten Weltkonflikt geschwächt, es wäre schade die Situation nicht auszunutzen.

Im Januar 1916 wird ein Generalaufstand entschaieden. Ein evangelischer Lord, der für Irland Partei ergriffen hatte, schafft es eine Verbindung zwischen dem deutschen Reich (!!) und den Irischen Separatisten herzustellen. Ein Einverständnis wird gefunden, und das Reich chartert ein Kargo (eine ähnliche Operation wurde 1914 probiert- und hatte geklappt!). Aber was hat Deutschland hier überhaupt zu suchen, werden Sie mich fragen? Deutschland ist doch anderswo ziemlich beschäftigt, wie zum Beispiel in Frankreich, in Russland, in Belgien… eigentlich überall außer in Irland!

Es ist einfach pure Strategie: Es geht darum, den Feind auf seinem eigenen Boden, intern zu schwächen, um ihn davon abzuhalten sich nur mit der Front zu beschäftigen. 1917 verlässt Lenin seinen schweizerischen Exil in einem verplombten Wagon (in der ersten Klasse), durchquert Deutschland und steigt in ein Schiff nach Sankt Petersburg ein. Diese kleine Reise hatte Deutschland organisiert und finanziert. Ziel? Eine Revolution schmieden, den Zar destabilisieren, die Bolschewisten unterstützen. Die Geschichte wird bestätigen, dass diese machiavellistische Strategie nur zu gut funktioniert hat.

Für Irland ist es genau dasselbe! Diese Revolution der Separatisten zu unterstützen, wird Großbritannien desorganisieren, die Panik aufsteigen lassen, und dazu führen, dass weniger Soldaten auf die Front eingesetzt werden. Kurz gesagt: Es wird für Chaos sorgen, aber weit von Deutschland und von der Kriegsfront. Der deutsche Kargo, beladet mit 20000 Gewehren, wird aber durch eine englischen Patrouillenboot am 20. April 1916 aufgebracht. Der Aufstand wird auf Ostermontag verschoben.

24. April 1916

Wir sind also am 24. April 1916, und das Wetter ist schön, es ist fast warm. Auf den Straßen von Dublin gibt es zahlreiche Spaziergänger: Frauen mit Hut, Kinder mit Reifen, Soldaten auf Urlaub füllen die Straßen. Plötzlich defilieren tausend Mitglieder der geheimen separatistischen Organisation auf den Straßen und Dämmen. Vor den Augen der sprachlosen Spaziergänger (die es überhaupt nicht erwartet hatten), wird die Zentrale dubliner Post und andere Gebäude die diverse britische Ämter beherbergen, erstürmt. Der Aufstand hat angefangen.

Patrick Pearse, eine der Hauptfiguren der Bewegung, ruft die irische Republik auf, und die Bevölkerung starrt immer noch fassungslos. Die Flagge, orange-weiß-grün, wird um zwölf Uhr mittags über die zentrale Post der zukünftigen irischen Hauptstadt gehisst. Um 13h, weniger als eine Stunde nach dem Aufruf der Republik, fängt der Aufstand an, und somit auch das Blutbad.

Der Überraschungseffekt war vollkommen, das muss man den Rebellen gestehen. Die Britischen Streitkräfte hatten nicht mit einem Aufstand gerechnet, Offiziere und Soldaten waren zur Zeit im Urlaub, auf der Front, oder gar wo anders. Ja aber die Rebellen wussten anscheinend nicht, wie sie das zu ihrem Vorteil nutzen konnten, um ihre Revolution durchsetzen. Was die Politik angeht, zumindest. Fünf Tage lang hielten sie durch, die etwa tausend Mann und ein Paar Gewehre, gegen die Britischen Streitkräfte die Dublin überfluteten. Am 28. April 1916 waren sie nur noch eine Hand voll (ungefähr ein Ire für zwanzig Britische Soldaten). Der Aufstand wird zur Straßenschlacht, mit Leichen auf dem Bürgersteig, Blut, Tote, Schüssen. Patrick Pearse, Chef der Rebellen, wird sich des Desasters bewusst. Am Samstag den 29 April, gegen 15h, befiehlt er seinen Waffenbrüdern die Waffen nieder zu legen.

Die Bilanz ist dramatisch. Dublin liegt in Trümmern. Dreihundert Tote. Tausend dreihundert Verletzte. Eine tiefe, schlimme Wunde in der britisch-irischen Geschichte, die erst 1998 wirklich vernarben wird (Die Zustimmung von Ostern, die ich hier auch angesprochen habe). Die Rebellen wurden, wenn sie nicht im Kampf verstorben waren, verhaftet und zum Tode verurteilt. Die irische Unabhängigkeit weihte sie zu Helden, Märtyrern. Aber der Krieg war noch nicht beendet: Im Januar 1919 brach der Irische Unabhängigkeitskrieg aus.

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